Ende November war Thilo Eckardt einer der Hauptsprecher bei der HRDF (HR Development Funds) Konferenz in Kuala Lumpur, der größten Aus-, Fort- und Weiterbildungskonferenz Malaysias. Der Schwerpunkt der Konferenz, an der knapp 2500 Personen teilnahmen, war dieses Jahr das Thema Lernen und Technologie mit dem Stichwort „Industrie 4.0“.

Wir haben mit Thilo Eckardt über die Konferenz und das Thema seiner Key Note „Erfolgsfaktoren moderner Lerntechnologien und Lerntransfer“ gesprochen.

Unser Interviewpartner

 

Dr. Thilo Eckardt ist Gründer und Managing Partner des Schweizer Beratungsunternehmen MyLearningBoutique. Angefangen hat er seine Karriere in der Finanz- und Automobilbranche, er hat aber schon bald in die Weiterbildungs- und Beratungswelt gewechselt. Sein Unternehmen MyLearningBoutique arbeitet mit über 70 Consultants und Trainern in mehr als 30 Ländern weltweit zusammen und hilft Unternehmen dabei, nachhaltige Führungs- und Verhaltensänderungen durch die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter zu bewirken.

Warum sind LMS (Learning Management Systeme) nicht mehr aktuell?

 

Thilo Eckardt: Ich glaube, dass es heute in HR beziehungsweise der Learning & Development und Talentabteilung mehr braucht als nur die Administration der Teilnehmer, das Verschicken von Einladungen und der Kontrolle der Teilnahme. Wichtig ist, dass der Einsatz von modernen Lerntechnologien wirklich einen Mehrwert für das Unternehmen bietet und genau das passiert nur dann, wenn man ein dementsprechendes Tool zu Verfügung hat, das mehr leistet als nur die Administration. Die Investition des Unternehmens in die Kompetenz der Mitarbeiter muss gesichert werden, von daher ist es wichtig, dass das Erlernte, was jeder sehr motiviert oder sehr interessiert aus dem Workshop mitgenommen hat, auch eine Verhaltensänderung herbeiführt und wirklich im Unternehmensalltag umgesetzt wird.

 

Wie passt Promote in diesen Zusammenhang?

 

Erfahren habe ich von Promote über die Empfehlung eines Trainers. Wenn man weiß, wonach man sucht und was man für wichtig hält bei einer Lösung, dann ist es eigentlich relativ einfach zu identifizieren, ob die Lösung für einen selbst passt oder nicht. Bei Promote waren es vor allem zwei zentrale Dinge, die meine Aufmerksamkeit erregt haben. Der erste Punkt ist der, dass die Plattform tatsächlich von Consultants und Trainern entwickelt wurde. Das sieht man dann auch an der Nutzerfreundlichkeit: bei alten Microsoft Produkten zum Beispiel fand ich, man musste sich immer der Software anpassen… Bei Promote passt sich das Tool dem User an – es ist also wirklich sehr nah am Nutzer. Der zweite wesentliche Vorteil von Promote ist, dass es das Feuer am Lodern hält. Im Schwerpunkt geht es ja darum, die Lernreise des Teilnehmers möglichst effektiv zu begleiten. Die Regelmäßigkeit der Begegnungen und die Transparenz von Promote hat zur Folge, dass jeder die selbst angestrebte Verhaltensveränderung tatsächlich umsetzen kann – oder muss.  

 

Warum steigt die Notwendigkeit von eSolutions?

 

Ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der wir mehr und mehr den Fokus auf das Wesentliche legen müssen. Präsenztrainings- und Veranstaltungen oder one-to-one Coachings haben für mich weiterhin einen fundamentalen Wert und es gibt Dinge, die wirklich nur dort geleistet werden können. Aber man könnte bereits sehr viele Dinge abdecken in der Phase der Vorbereitung, des Verständnisses und im Sinne des ersten Erlernens, die nicht nur günstiger sind, also einen klaren Kostenvorteil haben, sondern die auch viel flexibler sind. Zudem führt die ganze Mobilitätstendenz als Megatrend dazu, dass immer mehr Menschen dann lernen wollen, wenn sie gerade Lust oder Zeit dazu haben und es bei ihnen gerade möglich ist. Das geht natürlich bei modernen Learning-Plattformen.

Lernen wo und wann man will – diese Flexibilität wird für Unternehmen und seine Mitarbeiter immer wichtiger

Ihr arbeitet bei MyLearningBoutique mit Unternehmen weltweit – wie hoch ist in anderen Ländern der e-Anteil bei Trainings, die du durchführst? Gibt es Unterschiede?

 

Im DACH-Bereich würde ich keine großen Unterschiede wahrnehmen, interkontinental und auch innerhalb Europas gibt es dann natürlich schon Unterschiede, je nachdem wie hoch die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen technischen Lösungen ist. Hier unterscheidet sich beispielsweise Skandinavien von Westeuropa. Im Endeffekt ist das aber schwer zu verallgemeinern und führt vielleicht dazu, dass die Aussage ein wenig plakativ werden. Ich sehe viel eher die Unterscheidung dahingehend, um welche Unternehmenskultur es sich handelt und in welchem Bereich man tätig ist, ob wir eine konservative Industrie oder eine viel oder wenig akademisch geprägte Teilnehmerschaft haben – das sind für mich eher die relevanten Unterschiede. Wobei man sagen muss, dass sich jede Lösung auch immer wieder den Teilnehmern anpassen muss. Es geht hierbei nicht um die Anzahl der Doktortitel der Teilnehmer, sondern jede e-Lösung oder jedes Blended Learning ist immer nur dann besonders gut, wenn es den Spieltrieb, die Neugier und Wissendrang bei den Teilnehmern erweckt und es dann zu genau der Lösung wird, das die Teilnehmer zu dem konkreten Zeitpunkt benötigen.

 

Gibt es bestimmten Branchen, die verstärkt auf eSolutions setzen?

 

Ich glaube, man kann es wiederum nicht auf die eine Branche verallgemeinern. Natürlich ist man im Silicon Valley sicher mehr aufgeschlossen als vielleicht die Schwermetallindustrie. Nichts desto trotz täuscht man sich oft: ich habe ich erst kürzlich wieder von einer klassischen Schweizer Bank –eine sehr konservative Branche also-gelesen, die Jahresgespräche abgeschafft haben und durch eine ganz neue Art von Mitarbeiterbewertung, -gesprächen und Zielsetzungen ersetzt hat und somit hier extrem fortschrittlich ist. Es liegt letztendlich also nicht an der Branche, sondern an den Menschen und dem Management und wie innovativ, mutig und aufgeschlossen man dort ist.

 

Wie schnell wird der eAnteil zunehmen? Schon spürbar im nächsten Jahr zum Beispiel?

 

Nein, ich denke nicht, dass wir da von Jahr zu Jahr denken können, sondern dass das schon größere Schritte sind, vielleicht 5-Jahreszeiträume, in denen wir echte Tendenzen festmachen können. Ich selber bin überzeugt davon, dass e-Learning und Präsenzveranstaltungen immer mehr zusammenwachsen und gerade das Thema Transfer immer wichtiger wird. Beziehungsweise schon immer wichtig war – aber, dass es in Zukunft noch wichtiger genommen wird im Unternehmen und somit ein echter „walk the talk“ bei L&D und Managern entsteht. Da sehe ich den Trend in den kommenden Jahren hingehen